Romeo und Julia oder Luigi und Lucina

Liebste zweifle nicht, der Gott, an den wir glauben, wird uns die Lieb' nicht rauben. Ich gehe fort, doch geht nur ein Teil von mir, mein Geist, meine Seele bleibt hier bei dir.





Die wohl berühmteste Liebesgeschichte der Welt! Das Pärchen schlendert über die Piazza Erbe und biegt in die Via Cappello ein. Als sie durch das Tor den Innenhof der Casa di Giuletta betreten, befinden sich wider Erwarten keine Touristen dort. Als sie vor dem Palazzo stehen, legt er den Arm um sie und rezitiert halblaut und ganz nah an ihrem Gesicht:


"So reg dich Holde nicht, wie Heilige es pflegen, derweil mein Mund dir nimmt, was er erfleht. Ein Kuss von meinen Lippen und dein Mund hat ihn aller Sünd' entbunden!"


Ich stand zufällig am Fenster in einem der Räume und wurde Zeuge dieser wunderbaren Szene. Um die Bronzestatue der Julia ein leerer Hof mit Seltenheitswert und daneben ein echtes Liebespaar!


Dabei soll sich die unglückselige Liebesgeschichte, die Shakespeare in Verona des 14. Jahrhunderts spielen lässt, sich in Friaul wirklich abgespielt haben.

Die Liebenden waren Luigi und Lucina, die Kinder zweier verwandter Zweige der Savorgnans, die bis aufs Blut verfeindet waren.




Aber wie hat sich nun die echte Liebesgeschichte zugetragen: Luigi da Porto Savorgnan della Torre lernt Lucina Savorgnan del Monte bei einem Ball in Udine kennen und die beiden verlieben sich Hals über Kopf ineinander. Sie versprechen einander die Heirat, aber kurz darauf, am 27. Februar 1511, bricht eine Revolution aus, in die beide Familien verwickelt sind. Ihre Liebe muss also geheim bleiben.


Im Juni wird Luigi da Porto bei einem Kampf schwer verletzt und Lucina von ihrer Familie gezwungen, ihren Cousin Francesco Savorgnan zu heiraten.

Luigi bleibt gebrochen und schwer krank zurück. Seinen Schmerz drückt er in der Novelle "Giulietta" aus, die er Lucina widmet. Bald darauf stirbt der Unglückliche.


Die Novell verbreitet sich schnell und kommt wahrscheinlich durch den Gelehrten Pietro Bembo in die Hände von William Shakespeare.


Es wäre vermutlich nie bekannt geworden, hätte der Professor für Literatur, Cecil Clough, aus Liverpool nicht die Novelle von Luigi da Porto studiert und die wahre Geschichte von Romeo und Julia in einer Konferenz in Vicenza im Juni 1986 publik gemacht.

Die Anwesenden erstarrten allesamt, seine Ausführungen waren ein Desaster für Verona. Man brach die Konferenz ab und schickte Clough umgehend nach Hause. Aber der Geist war aus der Flasche!




In Friaul hat man sich damit abgefunden, dass Verona mit Romeo und Julia den Rahm abgeschöpft hat. Die Massen, die Jahr für Jahr das Haus der Giuletta stürmen, hätte man in Friaul ohnehin nicht gewollt.


 



Einer der bezauberndsten Wege, einem anderen Menschen die stillen Wege und Wünsche des eigenen Herzens zu offenbaren, ist ein Brief. Sein Zauber liegt wohl in der Distanz, der Einsamkeit, die zu mutiger Aufrichtigkeit verführt und träumender Nähe, aber auch zu Endgültigkeit, denn erst einmal verschickt, verbleiben selbst die vorsichtigsten Zeilen wie in Stein gemeißelt.


Im Schein der kleinen Lampe auf dem Nachttisch neben ihr, liest sie wieder und wieder ihren ersten Liebesbrief. Edles Büttenpapier und mit einem Füllhalter geschrieben, enthält er alle Tribute, die einen Liebesbrief ausmachen, der die authentischen Gefühle beschwören und formulieren möchte. Es kostet Mühe und Konzentration und das kann sie spüren. Sie kann fühlen, wie nah er ihr beim Schreiben dieser Liebesbotschaft war, die sie nun in Händen hält, denn Liebesbriefe gehören zu den zärtlichsten und intimsten Dingen zwischen zwei Menschen.


 



Als Luca das Geschäft betritt, das man eigentlich nicht Blumenladen nennen kann, weil es so schön und elegant ist, empfängt ihn eine Duftwolke zu der alle Blumen rundherum das ihre beitragen. Etwas überfordert sieht er sich in dieser Fülle von floraler Dekoration um, als unvermittelt zwischen diesen Gartenschönheiten der Lockenkopf einer älteren Dame auftaucht und ihn lächelnd nach seinen Wünschen fragt.


"Ich suche einen Blumenstrauß." "Was soll er ausdrücken?", fragt sie ihn daraufhin. Als er sie fragend ansieht, verstärkt sich ihr Lächeln: "Ist die Dame jung und steht Ihnen nahe? Oder ist der Strauß als Dankschön für eine Einladung gedacht? Machen Sie einen Krankenbesuch? Ist er für eine ältere Dame, Ihre Mutter vielleicht?" Jetzt lacht er sie an: "Die Dame ist jung und hat die schönsten grünen Augen, in die ich je geblickt habe!" Jetzt nickt sie zufrieden und blickt sich kurz um, dann beginnt sie liebevoll aus den verschiedenen Töpfen einzelne Schnittblumen zu zupfen. Am Ende reicht sie ihm eine Komposition, rosa, fliederfarben und weiß, dazwischen feine grüne Blätter und Wiesengräser. Er sieht bewundernd auf das Ergebnis, nichts daran ist aufgesetzt, alles ist harmonisch abgestimmt, kein Blütenkopf zu groß, ein rundes Bouquet, in dem sich zierliche Rosen, kleine Nelken, Glockenblumen und viele andere die er nicht kennt, als wundervoll Ganzes präsentieren. Er hebt den Blick zu der Floristin: "Ja, das ist SIE", und lächelt sie dankbar an, "wenn ich sie überzeugen kann, meine Frau zu werden, weiß ich, dass Sie mir den schönsten Brautstrauß der Welt machen werden."


 



Liebe ist ...


... ein Land ohne Grenzen.

... der Ursprung des Lebens.

... die beste Zukunftsinvestition.

... eine magische Hülle.

... Vertrauen ohne Gegenleistung.

... ein großes Thema in der Lebensart.




📕 mit Auszügen aus - "L'Osteria antica und die geheime Tür" und "Die Modestilistin und ihr Briefschreiber"


Liebesgeschichten

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Italien ist für mich viel mehr, als nur ein Land das ich liebe, dessen Sprache ich spreche und das zu meiner zweiten Heimat wurde. Italien ist die Bühne für meine Romane. 

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